Warum ich den SwissPass begrüsse

posted März 19th, 2015 · by Andrea Jerger · in Reisen & Mobilität
swisspass

Für den öV gibt es bald den SwissPass. Die Medienresonanz der letzten Tag hat bewiesen, dass es ein Thema ist, bei welchem die Emotionen hochgehen. Weil dieser SwissPass so sehr beschäftigt, hier meine ganz persönlichen Gedanken dazu.

 

Es sind etliche Bedenken und Fragen aufgetaucht, als die Einführung des SwissPass ab diesem Sommer bekannt gegeben wurde. Auf 20min.ch gab es fast 1000 Kommentare. Zum Glück hatte ich noch mehr Informationen als jetzt in der Öffentlichkeit bekannt wurden. Mir wurde dieser Pass etwas genauer erklärt und zwar nicht nur einmal, sondern zweimal. Ich konnte mir deshalb ein genaues Bild von diesem Pass machen und erlaube mir hier eine kurze Einschätzung.

 

Der erste Grund ist folgender:
Für uns Kunden wird es deutlich einfacher, wenn denn alle Verbunde dabei sind. Es wird also nur noch eine Karte mit allen Informationen benötigen. Meinem Portemonaie wird es sicher gefallen, wenn ich nur noch eine 1 Karte dabei haben muss.

 

Der zweite Grund:
Auch mit dieser Karte behalten wir immer noch ein offenes System. Unter einem offenen System versteht man, dass der Kunde mit seiner Fahrkarte für eine bestimmte Strecke in einen beliebigen Zug oder Bus eintreten kann ohne an eine Zeit gebunden zu sein. Mit SwissPass wird ein Weichen gestellt, zu  einer Vereinfachung unseres unübersichtlich gewordenen Tarifsystems. Das werden die Kunden erst Schritt für Schritt spüren. Die Weichenstellung ist aber epochal, das Ergebnis am Anfang natürlich noch nicht.

 

Der dritte Grund:
Als GA-Kundin nervt es mich massiv, immer dieses blöde Formular auszufüllen, wenn ich das Abo verlängern will. Ich kann es darum gut verstehen, dass man die automatische Verlängerung einführen will. Fast zwei Drittel der Kunden verlängern ihr Abo ja sowieso. Eigentlich kommt es hierbei nicht darauf an, ob die Verlängerung automatisch passiert, sondern wie kulant die SBB dabei ist.

 

Natürlich ist das meine persönliche Meinung. Für mich ist aber auch das Misstrauen gegenüber der SBB verständlich. Kommen wir damit zu dem, was mir nicht gefällt: Es gibt nur einen einzigen Punkt!

 

Die Kommunikation. Jeannine Pilloud hat schon versucht, gegenüber den Medien sehr offen zu kommunizieren. Doch wir Kundinnen und Kunden auf Twitter wurden etwas alleine gelassen. Nach zwei Tagen Diskussionen auf Twitter kamen langsam die dringendsten Fragen heraus. Aber die Antwort auf die häufigste Frage – „Warum nur dieser Chip?“ – fand man nur über die SBB-Facebook-Seite heraus. Weil ich weiss, dass es eine etwas lange Antwort ist, steht sie am Schluss dieses Blogs.

 

Herr Andreas Meyer will ja immer offen sein und hatte zu einem anderen Zeitpunkt sogar einen Anlass für Twitter-User in Aussicht gestellt. Doch wo war Herr Meyer nach der SwissPass-Ankündigung?

 

Zwar hat auch die SBB einen super Blog. Aber mal ehrlich, erst nach 5 Stunden und nachdem alle Medien berichtet haben, 1 Blog hochzuladen, ist einfach keine gute Kommunikation für ein Unternehmen wie die SBB es ist. Da müssten alle Kanäle zusammen gleichzeitig informieren. Auch wäre es super, auf die Fragen einzugehen, welche die Leute interessieren. Leider war es wie üblich keine gezielte Kommunikation.

 

Das ist schade, denn der SwissPass ist eigentlich ein gutes Projekt. Sicher muss man noch die einzelnen Fragen angehen, doch in der Twitter-Welt ist der Pass wohl schon unten durch oder es wird massiv schwierig sein, noch etwas Positives herauszuholen. Sehr, sehr schade…

 

Was ist eure Meinung zum SwissPass?

Blog von Andrea Jerger (überarbeitet durch den Admin)

 

Nachstehend noch wie oben angedeutet die ausführliche Antwort von Ivan, SBB:
„Hier findest du detailierte Information zur RFID-Technologie des SwissPass: Die SwissPass-Karte ist mit zwei RFID-Chipmodulen ausgestattet, die auf Impuls eines entsprechenden Lesegerätes ihre gespeicherten Daten an dieses übertragen. Die Datenübertragung erfolgt berührungslos über Funk auf der Frequenz 13.56MHz.

 

Das Lesegerät sendet ein hochfrequentes Magnetfeld aus. Die Modulation dieses Magnetfelds wird durch den in das Magnetfeld eingebrachten und auf gleicher Frequenz operierenden Kartenchip entsprechend seiner Datenstruktur verändert (sog. Lastmodulation). Diese Modulationsänderungen detektiert das Lesegerät und kann so die im Chip enthaltenen Daten interpretieren. Durch die Einbringung in das hochfrequente Magnetfeld bezieht der Kartenchip gleichzeitig induktiv die für seinen Betrieb benötigte Energie. Da der Kartenchip über keine eigene Energiequelle verfügt und immer nur auf einen äusseren Impuls angewiesen ist, nennt man diesen Vorgang Passivmodus. Ohne diesen äusseren Impuls kann der Kartenchip von sich aus und aktiv keine Datenkommunikation initiieren. Der Passivmodus funktioniert nur auf äusserst kurze Distanz (2-30cm). Die beiden Chipmodule unterstützen jeweils unterschiedliche Anwendungsbereiche. Kernanwendung von Chip A ist die Gültigkeitskontrolle von öV-Leistungen. Mit Chip B wurde die in Skigebieten als Skipass verwendete Technologie adaptiert. Die folgenden Eigenschaften setzen dem unbemerkten Auslesen sehr hohe Hürden. Systematischer Missbrauch ist damit praktisch ausgeschlossen:

 

– Auf dem Kartenchip werden niemals Kundendaten gespeichert. Der Chip enthält lediglich eine technische Kennnummer (MedienID). Beim Kontrollvorgang liest das Kontrollgerät die MedienID und referenziert diese auf die abonnierten Leistungen. Die blosse Kenntnis der MedienID ist in jedem Fall bedeutungslos und lässt ohne entsprechend ausgerüstetes Kontrollgerät keinen Rückschluss auf eine bestimmte Person zu.

 

– Die MedienID ist in einem vom öV signierten elektronischen Zertifikat eingebettet. Das Zertifikat garantiert die Authentizität der Karte gegenüber dem Kontrollgerät. Mit diesem Mechanismus wird sichergestellt, dass die auf dem Kartenchip öffentlich auslesbare MedienID niemals auf andere Medienkopiert und damit missbräuchlich werden kann. Die Authentizität der Karte wird mit einem Verfahren geprüft, das auf asymmetrischer Verschlüsselung auf Basis elliptischer Kurven (ECC) beruht. Das Verfahren entspricht bzw. übertrifft in seinen Sicherheitselementen den im Geld- und Kreditkartenzahlungsverkehr verwendeten Standards.

 

– Der Passivmodus lässt nur äusserst kurze Auslesedistanzen zu (Chip A: 3cm, Chip B: 30cm). Auslesbar sind lediglich das öV-Zertifikat, der darin enthaltene öffentliche Schlüssel und die MedienID.

 

– Nicht absolut verhindernd, aber sehr missbrauchserschwerend wirkt die Verwendung eines öVspezifischen und proprietären Befehlssatzes für die Kommunikation mit dem auf der Karte enthalten Java-Applet.“

Andrea Jerger

Website: http://konsumhelden.ch

3 Comments

  1. Padrigo sagt:

    Hallo Andrea,
    ganz so sehr wie du kann ich mich nicht freuen. Für mich scheint es eine unfertige Lösung zu sein: Halbtax-Besitzer müssen vorerst immer noch ein Papierticket mitnehmen. Mein Mobility-Abo kann wohl auch noch nicht auf den SwissPass geladen werden.
    Ich hoffe einfach, dass damit nicht auf „be in, be out“ hingearbeitet wird!

  2. Amon sagt:

    Danke für den Beitrag. Kann jetzt auch mit diskutieren.

  3. Mari90 sagt:

    Also ich kann dir nur Recht geben – in allen Punkten. Ich hatte selbst vorher das Halbtax-Abo und habe mir dann den Swisspass angeschafft, weil ich nach längerem Überlegen und Beratungen von den Argumenten überzeugt wurde und auch noch bin. Ich persönlich vermisse nur die Kreditkartenfunktion. Fand das immer sehr praktisch und war sehr enttäuscht, dass diese nicht mit aufgenommen wurde. Allerdings habe ich dann die LibertyCard zugeschickt bekommen, was zwar eine Karte mehr bedeutet, ich dafür aber beim Reisen „unterstützt“ werde, Bonuspunkte sammeln kann, Versicherungen habe etc.Das hatte ich vorher nicht und bin damit rundum zufrieden. Ich will jetzt nicht zu weit ausschweifen, wer will, kann sich dann gerne selbst weiter informieren (https://www.libertycard.ch/de). Aber wer wie ich die Kreditkartenfunktion vermisst, bekommt hier eine sehr gute Alternative geboten. Ansonsten hoffe ich, dass der Swisspass sich weiter etabliert, da es meiner Meinung nach eine wirklich gute Idee ist.

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