Selbst ist der Kunde…

posted November 7th, 2014 · by Andrea Jerger · in Finanzen & Recht

Eine bald 50-jährige Idee findet immer mehr Akzeptanz: Konsumenten rechnen an der Kasse selber ab. Was steckt dahinter? Wie weit wollen die Detailhändler dieses System noch ausbauen? Welchem Kunden nutzen Self-Scanning und Self-Checkout wirklich?

 

Ich war letzthin an einer Veranstaltung mit dem Thema: „Subito. Self-Service Kassen“. Organisiert wurde sie von FORUM elle, der Frauengruppe der Migros. Solche Self-Service Kassen sind bei den beiden grössten Schweizer Detailhändlern seit rund 3 Jahren in Betrieb. Bei der Migros heisst das System Subito, bei der Coop Passabene.

 
Sind es wirklich erst drei Jahre, seitdem Kunden selber abrechnen gehen? Dazu noch etwas Geschichte: Schon 1965 testete Migros in Wollishofen die Idee, eine Self-Service-Kasse einzuführen (s. Beitragsbild). Dieser Versuch wurde nach vier Jahren abgebrochen, anstatt der Self-Service-Kassen bekamen die Kassen mit Personal wieder Vorrang.
Hier ein paar weitere, spannende Infos:
2011 begann Migros in neun Filialen diesen Self-Service zu testen. Migros hat sich zum Ziel gesetzt, in der Schweiz bis 2015 153 Self-Scanning-Kassen einzuführen. Danach soll Schluss sein. Natürlich habe die Genossenschaft das letzte Wort…
Bei Coop sind aktuell rund 100 Verkaufsstellen mit Passabene Self-Checkout-Stationen ausgerüstet. Gemäss Coop liegt die Nutzung der Self-Checkout-Stationen je nach Standort zwischen 20 und 30 Prozent.
 

Kommen wir nun zum grossen Mythos: Spart man mit diesem System Personal?
Am FORUM elle-Vortrag stellte der Verantwortliche der Migros klar, dass kein Personal abgebaut werde deswegen! Denn: In einem Laden würden zwei normale Kassen abgebaut und mit Self-Service Kassen ersetzt. Um Kunden mit Problemen zu helfen, stehen die ganze Zeit zwei Angestellte zu Verfügung. Bei einer normalen Kasse wird Personal je nach Bedarf eingesetzt.
Ein weiterer Grund warum es keinen Personalabbau gibt: Diebstahl. Man schätzt, dass 10% des Gesamtumsatzes gestohlen wird! Davor müssen und wollen sich die Händler schützen, was am besten mit Personal geht.
 

Gegen den Diebstahl wird auch geforscht, doch es brauche noch ca. 20 Jahre bis alle Produkte verchipt werden. Das ist also noch Zukunftsmusik. Wer weiss, ob wir in 20 Jahren noch in einen Laden gehen und einkaufen oder alles heimliefern lassen. Eines ist mir an der Veranstaltung aufgefallen: Ältere Menschen sind äusserst misstrauisch gegenüber dem neuen System. Nicht der Datenschutz ist für sie ein Thema, nein – sie haben aber Angst davor, Fehler zu machen und dann ein ‚Dieb‘ zu sein.
 

Ich habe die Systeme probiert und es sind beide einfach zu bedienen.

Viel Spass beim Einkaufen!
 

Andrea Jerger, Konsumheldin
(>>zu Andrea Jergers Twitter-Account)
 

Kurzinformation zu den zwei Systemen:
„Self-Checkout“:
Man kauft normal ein und geht am Schluss zur Self-Scanning Kasse, zieht dort selber Produkte durch und zahlt. Dieses System Ist optimal bei Einkäufen von wenigen Produkten. Der Ablauf ist bei Migros und Coop derselbe. Zur Zahlung braucht man Karte oder Geschenkkarte.
 

„Self-Scanning“:
Man nimmt am Eingang des Ladens ein Gerät zum Scannen. Dann scannt man die Produkte während dem Einkaufen. Am Schluss geht man zum Checkout-Gerät und bezahlt die zuvor selber gescannten Produkte. Bei Coop kann man auch einfach zur normalen Kasse gehen und bargeldlos zahlen. Bei der Migros geht das Sytsem nur mit Cumulus.

Andrea Jerger

Website: http://konsumhelden.ch

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