Produkttest: Rotauf Lawinen-Boje HLT5

posted März 24th, 2016 · by Jaenu · in Freizeit & Unterhaltung, Sport
Rotauf Lawinen Boje

Die Wintersaison neigt sich dem Ende zu. Leider mussten wiederum zu viele Menschen ihr Leben beim Ausüben des Hobbys in den verschneiten Bergen lassen. Um in Lawinen Verschüttete rascher finden zu können, hat der Schweizer Textilhersteller Rotauf eine Lawinenboje entwickelt. Die Konsumhelden durften dieses Produkt für euch testen.

 

Klar bieten auch die bestens präparierten Schweizer Skipisten eine Menge Spass, aber mit Ski oder Snowboard durch unberührte Pulverhänge zu kurven, hat seinen ganz eigenen Reiz. Wer sich abseits der markierten Pisten begibt, muss vor dem Aufbruch einige Punkte checken, um das Risiko realistisch einzuschätzen. Die wichtigsten Faktoren findet man im sogenannten 3×3 (siehe Bild; mehr dazu in diesem Wikipedia-Artikel).

Lawine Risiko 3x3

Relevante Punkte zur Bewertung des Lawinenrisikos anhand der 3×3-Matrix (klicken zum Vergrössern)

 

Die totale Sicherheit gibt es bekanntlich nur im Gefängnis – nur fehlte einem da diese herrliche Freiheit, welche die Fahrten im Backcountry einen spüren lassen. Experten meinen, dass die meisten Lawinen eigentlich verhindert werden könnten, wenn Freerider Lawinengefahr und Gelände (Neigung) richtig einschätzen würden. Nichtsdestotrotz können Lawinen aber auch ganz spontan niedergehen. Wird jemand davon verschüttet, zählt jede Sekunde. Das Gewicht der Schneemassen wird häufig unterschätzt. Schon eine Schneeschicht von 30 cm über dem eigenen Körper kann einen völlig unbeweglich machen. Unter der Last dieser Massen erstickt der Verschüttete nach ein paar Minuten – es sei denn, man konnte sich zuvor mit den Händen eine Atemhöhle schaffen (Geo.de hat hier ein paar Überlebenstipps zusammengestellt).

 

Retten statt suchen

Damit Verschüttete schneller gefunden werden, verfügen mittlerweile die meisten Jacken über einen Recco-Reflektoren, welchen das Lawinensuchgerät in der Regel aufspüren kann. Aber selbst durch solche Technik muss erst gesucht werden. Geht es nach Rotauf, dem Schweizer Textilhersteller, dessen Jacken radikal „swiss made“ sind (>wir haben bereits darüber geschrieben), soll unverzüglich gerettet werden können. Dazu wurde die Lawinen-Boje „HLT5“ entwickelt.

 

Rotauf Lawinen Boje FreerideDie Lawinen-Boje besteht aus einem Holster und einer Kartusche („MRK5“) mit der selbstaufblasenden Boje. Das Holster wird mit Gurten um die Hüfte und den Oberschenkel befestigt, sodass die Lasche zum Auslösen auf einer Höhe liegt, wo die Hand sich normalerweise befindet, wenn man die Arme hängen lässt. Die „HLT5“ ist 310 Gramm leicht und deshalb kaum spürbar. Beim Auf-den-Berg-laufen und der anschliessenden Abfahrt gab es am Tragekomfort jedenfalls nichts auszusetzen.

 

Kommt man tatsächlich in eine Lawine, so genügt ein kurzer, aber heftiger Zug an der genügend grossen Lasche. Indem man die Kartusche mit einem beherzten Zug an der Lasche aus der Halterung reisst, wird der Aufblasmechanismus aktiviert. Binnen circa zwei Sekunden ist die etwa tellergrosse, orange Boje komplett aufgeblasen. (siehe unser Video unten) Dermassen prall gefüllt, sollte sie oberhalb der Schneedecke treiben. Hat sich die Lawine also einmal gelegt, erkennen auch weniger erfahrene Berggänger die signalfarbene Boje auf der Oberfläche rasch und können helfen. Das Verbindungsseil zwischen Boje und Holster ist fünf Meter lang; die zu rettende Person kann somit sehr genau eingegrenzt werden, was wiederum die Rettung schneller macht. Ein paar informative Miniclips findet ihr auf der Website von Rotauf.

 

Lawinenboje als sinnvolle Ergänzung

Für unseren Test im Backcountry des Skigebietes Adelboden-Lenk haben wir weder eine Lawine ausgelöst, noch liessen wir uns verschütten – ganz so lebensmüde sind selbst wir nicht. Wir konnten aber einen realistischen Eindruck erhalten und ziehen ein positives Fazit: sehr komfortabel, praktisch und schön designt – eine technisch clevere Lösung. Wie dies auch Rotauf in Grossbuchstaben auf seiner Website schreibt, muss klar festgehalten werden, dass eine Lawinenboje alleine keine genügende Sicherheitsausrüstung darstellt. Die Rotauf Lawinen-Boje ist aber eine wirklich sinnvolle Ergänzung zur Standardausrüstung, zu der Lawinen-Verschütteten-Gerät (LVS-Geräte gibt es ab ca. Fr. 150.-), Schaufel und Lawinensonde (beides ab ca. Fr. 40.-) gehören. (Für Preisvergleiche empfehlen wir u.a. toppreise.ch)

 

Wie ein Ausflug am Berg nämlich auch ausgehen kann, haben uns Freunde geschildert. Diese waren in eine Lawine geraten. Dabei ist ein Bekannter leider verstorben, während ein Anderer mit dem blauen Auge davonkam. Letzterer hatte einen Lawinen-Airbag getragen, der ihm genügend Auftrieb verleihen konnte, um nicht unter den Schneemassen begraben zu werden. Solche Airbags funktionieren ziemlich ähnlich wie die Rotauf Lawinen-Boje – einfach in einem grösseren Massstab: Indem eine Lasche gezogen wird, füllt sich eine Kammer mit Gas, sodass ein Luftkissen entsteht. Ein Airbag kostet allerdings nochmals deutlich mehr. Während es die Lawinenboje bei Rotauf für Fr. 148.- gibt (einzelne Kartuschen mit dem MRK5 Nachlademodul kosten Fr. 62.-), sind gute Rucksäcke inklusive Lawinen-Airbags derzeit kaum für weniger als Fr. 600.- erhältlich. (Vorsicht: Immer darauf achten, was alles im Lieferumfang enthalten ist. Neben dem Rucksack braucht es auch den Auslösmechanismus und eine Kartusche!)

 

Aber über Preise zu diskutieren, wenn es um Menschenleben geht, hat etwas Unwürdiges. Wer sich gut schützen möchte, sollte nicht geizig sein. Vor allem aber sollte er umsichtig sein. Ein Airbag mag im Ernstfall das Überlebensrisiko drastisch erhöhen, eine Boje hilft zweifellos für eine raschere Bergung – im Idealfall muss man aber beides gar nicht erst einsetzen. Kein Produkt der Welt ersetzt die Konsultation des Lawinenbulletins beim Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF und das Studieren des Geländes.

 

Viel Spass in den Bergen!

#RespectNature

 

 

Jaenu

2 Comments

  1. Sander sagt:

    Cooler Beitrag, hätte ich mir am Anfang der Skisaison gewünscht 😉

  2. Hey voll genial super für Tourer die wenig gehen.

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