Konsum oder Konsumsucht – Missverständnis oder Vorurteil

posted Mai 8th, 2015 · by Jugendparlament Luzern · in Allgemein

Junge Menschen werden des Öfteren missverstanden. Gerade mir kommt es teilweise so vor, als stehe hinter jeder Ecke ein Vertreter der älteren Generation, der nur darauf wartet, mir Fehltritte vorzuhalten.

 

Mal möchte man einer alten Frau helfen, die Taschen zu tragen, weil man sieht, wie sie jede einzelne mühsam über eine Treppe schleppt, und wird fast schon unhöflich abgewiesen; ein anderes Mal sitzt man gedankenverloren im Bus, sieht nicht sofort, dass eine ältere Person den Bus besteigt, und wird sogleich zusammen gefaltet weil man nicht sofort aufgestanden ist.

 

Natürlich kann man auch zurecht gewiesen werden eben weil man aufgestanden ist (schliesslich ist die Person noch nicht so alt oder kommt – wie man sähe – gut alleine klar), und egal was man tut findet man früher oder später in den Zeitungen wieder vernichtende Kritiken zur eigenen Generation. Und einer der Spitzenreiter der Vorwürfe an die Generation Y ist der Vorwurf der Konsumsucht.

 

Wie man weiss kaufen Jugendliche alle paar Tage ein neues Handy, die Frauen decken sich mit Bergen von Billig-Kosmetika ein, ganz zu schweigen von den vielen Kleidern, die sie für möglichst wenig Geld bei den grossen Mode-Ketten kaufen. Ja, die Generation Y ist herangewachsen zu einer Generation bestehend aus „immer-den-neusten-Schei**-habern“. Könnte man zumindest meinen, anhand von dem was man so hört.

 

Tatsache ist, dass eine Freundin von mir zwar ab und zu das Handy wechselt, aber sie benutzt nur ausrangierte Telefone von Kollegen und benutzt diese, bis sie kaputt gehen. Viele, die ich kenne, kaufen sich nur ein neues Handy, wenn sie müssen, weil das alte den Geist aufgegeben hat – und viele benutzen ihr Handy auch noch, wenn der Bildschirm zersplittert ist. Und natürlich gibt es ein paar, die das Geld oder die Eltern haben, sich immer das neuste iPhone zu kaufen. Aber die sind definitiv in der Unterzahl.

 

Entgegen dem Klischee versuchen viele meiner Freundinnen die Kosmetika, die sie kaufen, wirklich zu Ende zu gebrauchen, bevor sie ein neues Produkt besorgen, und nicht einfach nur billige Kleider zu kaufen, sondern Kleider, die qualitativ besser sind und längere halten. Klar gibt es auch hier wieder junge Menschen, die einfach Material durchlassen. Und selbst bei denen muss man sehen: Es gibt Personen, die einfach ein eingeschränktes Budget haben und auf Billigprodukte angewiesen sind. Die Billigprodukte halten aber bei bester Pflege nicht lange, und schon konsumiert man für den Planeten ungesunde Mengen an Baumwolle und anderen Rohstoffen.

 

Auf was ich hinaus will: Die „Erwachsenen“, die Generation(en), die im Moment noch das Ruder in der Hand halten, sollen doch bitte zwei Dinge versuchen:

 

  1. Versucht zu sehen, dass hoher Konsum nicht immer mit Konsumsucht zusammenhängt, sondern vielleicht einfach daran liegt, dass man es sich nicht anders leisten kann.
  2. Klar gibt es auch Jugendliche, die bedenkenlos konsumieren, obwohl sie anders könnten. Und natürlich ist das nicht gut, natürlich sollte man versuchen, das zu ändern. Aber anderseits sollte man (der Fairness halber) den Blick auch mal auf die richten, die alles richtig machen oder sich zumindest darum bemühen.
  3. Versucht, euren Blickwinkel etwas zu öffnen, weniger zu pauschalisieren, und ihr werdet sehen, dass nicht alle Jugendlichen eure Kritik verdienen.

Jugendparlament Luzern

Website: http://jupalu.ch

2 Comments

  1. Elias sagt:

    Danke für die Klarstellung! Genau meine Meinung. Irgendwie hat jede Generation mit den Vorurteilen der älteren zu kämpfen…

  2. Patrick sagt:

    Ein wirklich differenzierter und gerne gelesener Blogpost. Bravo zur gelungenen Premiere als Blogger bei den Konsumhelden, JuPaLu. Das darf gerne so weitergehen. 😉

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