Intelligenz & Bildung – Synonym oder Antonym?

posted Juni 22nd, 2016 · by giulia · in Aus- und Weiterbildung

Viele Menschen verwechseln Intelligenz mit Bildung.

Jeder Mensch bildet sich Vorurteile anderen gegenüber,
meistens auf Grund des Aussehens beim ersten aufeinandertreffen. Oftmals ist
der Fall auch so, dass sich der Charakter der Person wirklich in ihrer Kleidung
und ihrem Auftreten wieder spiegelt. So kann man sich ganz oberflächlich
betrachtet schnell ein Bild von der Person machen, sprich ob sie jetzt
sportlich oder ausgeflippt oder eher schüchtern ist – was manchmal der Realität
entspricht, manchmal aber auch nicht.

Was ich aber nicht verstehen kann, dass die Menschen sich
ein Bild der Intelligenz der gegenüberstehenden Person machen wollen, nur durch
die Information was für eine Bildung man hat. Wie oft habe ich schon Sätze wie
„Wenn du im Gymnasium bist, musst du zu den Intelligenten gehören!“ oder „ Ich
bin in der Sek C, ich bin einfach dumm“ gehört. Jedoch muss man kein Genie sein
und sich Formeln und Vokabeln merken zu können. Klar, manchen geht es einfacher,
anderen fällt es schwerer, doch das ist kein Grund seine Intelligenz an seiner
Bildung zu messen.

Es gibt viele Schüler die einfach zu faul sind. Die weder
die Geduld noch den Willen dazu haben, so viel zu lernen wie es nötig wäre, um
zum Beispiel an das Gymnasium zu kommen. Es ist falsch von den Leuten zu denken
man ist nur intelligent auf Grund dass man ein Gymnasium besucht oder man sei
dumm weil man z.B. in der Sekundarstufe C ist.

Wie überall gibt es am Gymnasium selber intelligente Schüler
und weniger intelligente Schüler, jedoch sind beide Intelligent – so die
heutige Logik. Aber wieso sollte man dann einen Unterschied machen, zwischen
jemanden aus dem Gymnasium – welcher ein wenig intelligenter ist – und jemand
aus der Sekundarstufe – welcher weniger intelligent ist – wenn man es innerhalb
des Gymnasiums auch nicht macht.

Man sollte die Intelligenz der Person an den Gesprächen mit
ihr, ihrem Wissen und ihrem Verstehen beurteilen, und nicht danach auf welcher
Schule sie ist. Denn was bringt es mir wenn ich die Vektorgeometrie perfekt
beherrsche, aber keinen banalen Zeitungstext verstehen kann? Was bringt es mir
die Formel von Peroxomonoschwefelsäure zu wissen, wenn ich jedoch nichts zu
aktuellen Themen beitragen kann? Ja, die Beispiele sind extrem und ein bisschen
übertrieben, so ist es jedoch verständlich was ich meine.

  Wie ihr vielleicht wisst gibt es mehrere Intelligenzen,
jedoch setzt die Schule den Schwerpunkt vor allem auf die logisch-mathematische
Intelligenz. Da muss man sich doch irgendwann einmal fragen, denn wenn es –
nach Howard Gardner – ganze 9 verschiedene Intelligenzen geben soll, wieso legt
man dann nur Wert auf spezifische? (https://de.wikipedia.org/wiki/Theorie_der_multiplen_Intelligenzen )
Wieso sollte die logisch-mathematische Intelligenz wichtiger sein
als die interpersonale Intelligenz? Man kann schwer eine Intelligenz über eine
andere stellen, jedoch ist es noch schwerer alle zu testen. Nur weil die Schule
Wert auf spezifische Intelligenzen legt, bedeutet das nicht dass man in der
heutigen Gesellschaft die anderen weglassen kann, gar vergesse kann.

Es sollte allen bewusst werden das Intelligenz viel mit
Motivation und Kreativität zu tun hat. Denn eine motivierte und kreative Person
mit einer durchschnittlichen Intelligenz, wird einem unkreativem Genie
überlegen sein. Es bringt nicht viel sich „nur“ viel Wissen anzueignen, man
muss auch in der Lage sein neue Ideen, neue Wege und neue Denkweisen zu
erfinden, zu erforschen und durchzuführen. Selbst ein so grosses Genie wie
Albert Einstein sagte einst dass Phantasie wichtiger als Wissen sei, da Wissen
begrenzt ist.

Bildung darf nicht mit Intelligenz verwechselt werden, genauso
wenig wie Faulheit mit Dummheit verwechselt werden darf.

giulia

3 Comments

  1. Oskar sagt:

    Ja, genau meine Meinung. Nur ist die heutige Wirtschaft nur an dieser einen, von dir erwähnten, Intelligenz interessiert. Oder warum hat sich unser Schulsystem nicht schon lange geändert? Die Erkenntnis ist schon seit längerem bestätigt von der Wissenschaft!

    Eine interessante Alternative dazu bieteten die Steiner-Schulen (Waldorfschulen), was hälst du von denen?

  2. giulia sagt:

    Ich möchte nicht das Schulsystem kritisieren da mir durchaus bewusst ist das es seit je her so funktioniert. Ich möchte nur die Tatsache angesprochen haben, das dennoch viele in der heutigen Gesellschaft sich auf die Ausbildung fokussieren wenn es um das Thema Intelligenz geht.

  3. Padrigo sagt:

    Danke für den Artikel – ich hoffe auf grosse Verbreitung, damit diese Frage diskutiert wird.
    Was dazu auch noch ergänzt werden könnte: „Intelligenz“ wird von sehr breiten Bevölkerungsschichten mit Elitarismus gleichgesetzt und deshalb eher misstrauisch (um nicht zu sagen NEGATIV) angesehen. Spricht man von der „Intelligenzija“ eines Landes, denken viele wohl an einen Kreis von abgehobenen „Gutmenschen“, die viel Theorie-Blabla rauslassen, aber scheinbar nichts „leisten“. Leider.

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