Datenschutz ohne Komfortverlust

posted September 30th, 2016 · by Elias · in Allgemein

Wer das Internet braucht, hat sowieso keine Privatsphäre mehr.“ „Ich hab sowieso nichts zu verstecken.“ Solche Sätze hör ich häufig und jedes weitere Mal und irritieren Sie. In diesem Beitrag erfährst du, wie Datenschutz mit wenig Aufwand zu erreichen ist und warum du manchmal deine Privatsphäre vor Bequemlichkeit stellen solltest.

Wusstet du, dass wenn man zwei Datenspuren deines Internetservers, zum Beispiel von Facebook und Google kreuzt, dich identifizieren kann. Dass heisst, ein Spezialist schaut deine Spuren im Internet an und weiss wer du bist, was dich bewegt, ob du an einer Krankheit leidest, ob du verliebt bist oder dich in Trauer wiegst, ob du gemobbt wirst – schlicht alles. Er weiss sogar mehr über dich als du selbst. Sind die von dir in Google eingegebenen Krankheitssymptome vielleicht ein Vorbote von Tuberkulose oder versteckt sich eine bipolare Störung in dir? So analysierte eine US-Supermarktkette die Einkäufe weiblicher Kunden, um Schwangerschaften frühzeitig zu erkennen und schickte ihnen dann passende Werbung. Ein Vater rief an und beschwerte sich bei dem Unternehmen, seine Tochter befinde sich noch im jugendlichen Alter, sie besuche sogar noch die Schule. Später musste der Vater zugeben, dass der Supermarkt richtig lag: Seine Tochter war tatsächlich schwanger.

 

All das und vieles mehr ist in unserer hoch geschätzten „Cloud“, ein beschönigendes Wort für Speicherserver.

 

Nun kann man sich fragen, und jetzt? Hab ich je etwas davon zu spüren bekommen, ja hast du! Die Werbung, die dir Angeboten wird, basiert auf deinem Suchverlauf. Die dir angezeigten Suchresultate beziehen sich auf deine vorherigen Suchbegriffe. Facebook schlägt dir Seiten vor, die dir gefallen könnten. Es analysiert die gelikten Beiträge und Bilder und erstellt ein genaues Interessenprofil. So lebst du mehr und mehr in einer Filterblase, und wenn die nächste Abstimmung nicht nach deiner Wahl ausgeht und du dich fragst, warum auf Facebook alle gleicher Meinung waren, dann bist du endgültig ein Opfer der Algorithmen der Internetgiganten geworden. Stell dir vor, Facebook greife aktiv in einen Wahlkampf ein. Dies würde dazu führen, dass der von Facebook begünstigte die Wahlen gewinnen würde.

An deinen Daten auch interessiert ist das Gesundheitswesen. Um deine Prämienoffferte zu berechnen, hätte sie gerne gewusst, wie du dich in der Freizeit verhältst. Je risikofreudiger du lebst, desto teurer wäre deine Prämie. Oder umgekehrt, jemand der häufig Suchbegriffe eingibt, die auf ein faules Leben hindeuten würde eine höhere Prämie erhalten? Alle „Selftracking-Apps“ die im Angebote sind bieten eine gute Grundlage dafür, um aus dir einen gläsernen Kunden zu machen.

Doch willst du das? Mach den einfachen Test: Würdest du jedem Menschen auf der Strasse erzählen, was du bereits von dir im Internet preisgegeben hast? Den grössten Teil davon wahrscheinlich nicht.

Die Werbeindustrie macht Geld mit deinen Daten, ein einziger Datensatz ist zwar fast nichts wert, aber die Masse macht es aus. Sie verdienen Geld damit, dass du deine persönlichen Daten im Internet teilst. Manche gehen sogar so weit und sagen, Daten seien eine neue Währung.

 

Der mit dem Thema vertrauten Philosoph Byung-Chul Han spricht auch von einer neuen Klassengesellschaft, die durch die Digitalisierung ins Rollen kam: `Die heutige digitale Gesellschaft ist keine klassenlose Gesellschaft. Nehmen Sie die Datenfirma Acxiom: Sie unterteilt Menschen in Kategorien. Die letzte Kategorie heißt „waste“ – Müll. Acxiom handelt mit den Daten von rund 300 Millionen US-Bürgern, also von beinahe allen. (…) Bei Acxiom werden die Menschen in siebzig Kategorien eingeteilt, im Katalog werden sie wie Waren angeboten, und für jeden Bedarf gibt es etwas zu kaufen. Konsumenten mit hohem Marktwert finden sich in der Gruppe „Shooting Stars“. Sie sind zwischen 26 und 45 Jahre alt, dynamisch, stehen zum Joggen früh auf, haben keine Kinder, sind aber vielleicht verheiratet und pflegen einen veganen Lebensstil, reisen gern, schauen die Fernsehserie Seinfeld. So lässt Big Data eine neue, digitale Klassengesellschaft entstehen. ` (Die Zeit, 07.09.14)

All diese Probleme müsste man mit international geltenden Gesetzen angehen, da all deine Datensätze von Land zu Land verschoben werden. Wenige Firmen lagern ihren Clouderver in nur in einem einzigen Land.

Als ein schlechtes Beispiel gilt das EU-Datenschutzgesetz. Laut NGO`s haben Technologiefimren ca. die Hälfte, durch ihnen verbunden Politiker, mitgeschrieben. Europa ist aber nicht der einzige Länderverbund, der sich vom Einfluss der Internetgiganten schützen sollte.

Was kann man gegen diesen Trend unternehmen?

Datenschutz, aber wie?

Klar, wenn ein Geheimdienst deine Daten will, bekommt er sie auch. Um aber deine Daten einigermassen zu schützen habe ich hier paar Punkte aufgezählt:

  • Benutze anstatt Whats-App (das zu Facebook gehört) Telegram. Das ist ein verschlüsselter, relativ verbreiteter Messergendienst, der seinen Sitz in Berlin hat und Datenschutz als höchstes gut betrachtet.

  • Benutze den uBlock Origin. Anstatt nur Werbung zu blocken, verhindert er zusätzlich, dass Trackingscripte wie „Google-Analytics“ dich durchs ganze Internet verfolgen.

  • Installiere das Add-On „Anonymox“, das deine Identität verschleiert, die kostenlose Version bewährt sich nicht, dafür umso mehr das Premium Paket für 5.60 Dollar im Monat. Nicht viel…

  • Benutze anstatt Google „StartPage“, diese Suchmaschine kopiert die Ergebnisse von Google und leitet Sie dich weiter, mit integriertem Datenschutz

  • Anstatt Gmail solltest du auf eine europäische Lösung setzen, wie Startmail, Bluewin, Gmx etc.

  • Den Browser Chache und die Cookies nach jeder Sitzung löschen

Diese Tipps garantieren nichts, aber bieten meiner Meinung einen gewissen Schutz.

 

Kennst du weitere, datenschützende Applikationen oder Apps? Wirst du einige dieser, leicht machbaren Tipps befolgen?

 

Update:
Entwicklungen wie diese sollten einem zum nachdenken bringen!

Elias

Website: http://konsumhelden.ch

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